Promotionsprojekt von Patrizia Enenkiel

enenkielProzessorientierte Diagnosekompetenz von Lehramtsstudierenden fördern
Begriffsbildung von Lernenden im Bereich Geometrie.

Diagnosekompetenz ist ein zentraler Bestandteil des Professionswissens von Lehrkräften (vgl. Brunner et. al 2011). Um einen Lernenden in seinem Lernprozess adäquat unterstützen zu können, muss eine Lehrkraft Vorstellungen davon haben, welche Lernschwierigkeiten und Fehlvorstellungen das Lernen behindern und diese bei Schülerinnen und Schülern identifizieren können (vgl. Praetorius et. al 2012). Darüber hinaus sind diagnostische Fähigkeiten für ein Lehrerurteil, welches die Gütekriterien Objektivität, Reliabilität und Validität erfüllt, bei Leistungsbeurteilungen von Schülerinnen und Schülern unverzichtbar (vgl. Helmke 2003).
Um Lehramtsstudierende auf diese Anforderung im Lehrerberuf vorzubereiten, sollen ihnen bereits während der Ausbildung die Möglichkeit gegeben werden, ihre diagnostischen Fähigkeiten zu entwickeln und gegebenenfalls weiterzuentwickeln.

Im Rahmen der Vorlesung „Didaktik der Geometrie“ sollen die Studierenden ihre diagnostischen Fähigkeiten im Bereich der geometrischen Begriffsbildung fördern.

Die Begriffsbildung ist ein wesentlicher Bestandteil im Mathematikunterricht. Gerade in der Geometrie spielt der Aufbau von einem Begriffsverständnis eine besondere Rolle. Vollrath & Roth (2012) geben nachprüfbare Fähigkeiten, anhand derer man feststellen kann, ob ein Begriff von Schülerinnen und Schülern erfasst ist. Um den Lernstand des Begriffsbildungsprozesses der Lernenden individuell zu diagnostizieren werden die Merkmale der Schülerinnen und Schüler mit diesen Fähigkeiten verglichen. Daraufhin soll entschieden werden, welche Maßnahmen geeignet sind, um den Lernenden individuell zu unterstützen und zu fördern.

Mithilfe von ViviAn, ein digitales Videotool, welches an der Universität Landau entwickelt wurde, soll überprüft werden, ob die Diagnosekompetenz im Bereich der geometrischen Begriffsbildung von Lehramtsstudierenden gefördert werden kann und welchen Einfluss das Feedback hat, welches die Studierenden nach dem Diagnostizieren erhalten. Die Studierenden arbeiten dabei mit Videovignetten, die Schülerinnen und Schüler in Gruppenarbeitsphasen beim Bearbeiten einer Geometriestation zeigen. Für die entsprechenden Videovignetten werden passende Diagnoseaufträge erstellt, die von den Studierenden bearbeiten werden.  Neben den Videovignetten, stehen den Studierenden Informationen zur Lernumgebung zur Verfügung, die per Buttons abrufbar sind. Dadurch ergibt sie die Möglichkeit zu untersuchen, wie ViviAn von den Studierenden genutzt wird.


Literatur

Brunner, M.; Anders, Y.; Hachfeld A.; Krauss, S. (2011). Diagnostische Fähigkeiten von Mathematiklehrkräften. In: Kunter M.; Baumert J.; Blum, W.; Klusmann, U.; Krauss, S.; Neubrand, M. (Hg): Professionelle Kompetenz von Lehrkräften. Ergebnisse des Forschungsprogramms COACTIV. Münster: Waxmann, S. 215-234

Helmke, A. (2003). Unterrichtsqualität. Seelze: Kallmeyer

Praetorius, A.-K.; Lipowsky, F.; Karst, K. (2012). Diagnostische Kompetenz von Lehrkräften: Aktueller Forschungsstand, unterrichtspraktische Umsetzbarkeit und Bedeutung für den Unterricht. In: Lazarides, R. (Hg.): Differenzierung im mathematisch-naturwissenschaftlichen Unterricht. Implikationen für Theorie und Praxis. Bad Heilbrunn: Klinkhardt. S. 115 – 146

Vollrath, H.-J.; Roth, J. (2012). Grundlagen des Mathematikunterrichts in der Sekundarstufe. 2. Aufl. Heidelberg: Springer.