Promotionsprojekt von Moritz Walz

walzDiagnosekompetenz und die Gestaltung von Lernumgebungen

Diagnosekompetenz und die Entwicklung von mathematischen Lernumgebungen sind zwei wichtige Fähigkeiten von Mathematiklehrern. Beide sind essentiell für schülerorientierten Unterricht. Da Lehrer die Fähigkeiten und Leistungen ihrer Schülerinnen und Schüler erfassen müssen um geeignete mathematische Lernumgebungen gestalten zu können, führt eine höhere Diagnosekompetenz dazu, dass Lehrer adäquatere Lernumgebungen gestalten, in denen potentielle Fehlerquellen und Fehlvorstellungen vorgebeugt werden.

Einfluss der Diagnostischen Fähigkeiten auf die Konzeption von Lernumgebungen

Lehrer müssen (1) den Kenntnisstand, den ein Lernender bereits erreicht hat, richtig einschätzen und (2) den Schüler bzw. die Schülerin fördern und falls notwendig adäquat unterstützen. Trainierte diagnostische Fähigkeiten sind eine grundlegende Voraussetzung für Lehrer, um geeignete Echtzeitinterventionen durchführen zu können. Des Weiteren sind sie nützlich bei der Entwicklung von Lernumgebungen, um potentielle Fehlerquellen und Fehlvorstellungen von Schülerinnen und Schülern vorzubeugen.

Theoretischer Hintergrund

Es ist wichtig für guten Unterricht, dass Lehrer in Echtzeit auf Schülerhandeln reagieren können (vgl. Randi & Corno 2005). Die Diagnosekompetenz der Lehrkraft hat einen positiven Einfluss auf die Lernzuwächse der Schülerinnen und Schüler im Mathematikunterricht (vgl. Brunner et al. 2013). Lehrer/innen müssen ihre Schüler/innen oft “on-the-fly” diagnostizieren, was bedeutet, dass ihnen nur wenig Zeit zum Diagnostizieren der jeweiligen Probleme zur Verfügung steht um eine adäquate Intervention durchführen zu können (Wiliam & Thompson 2007). Aus diesem Grund müssen die diagnostischen Fähigkeiten von Lehrkräften bereits während des Studiums an der Universität gefördert werden.

Methode

Wir planen die Diagnosekompetenz von Mathematik-Lehramtsstudierenden mit ViviAn, einer video- und computerbasiertem Lern- und Testumgebung für diagnostische Fähigkeiten, zu messen. Anschließend konzipieren oder überarbeiten die Studierenden eine mathematische Lernumgebung im Mathematik-Labor “Mathe ist mehr” am Campus Landau. Die Lernumgebungen sind an den Lehrplan angelehnt und werden jeweils von einer Schulklasse erprobt. Während der Überarbeitung werden die Studierenden bezüglich ihrer Konzeption der mathematischen Lernumgebung interviewed. Im Anschluss filmen wir eine Vierer-Schülergruppe bei der Erprobung der Station. Die Studierenden, die die mathematische Lernumgebung gestaltet haben, schauen in Echtzeit mit und intervenieren, falls sie der Auffassung sind, dass das Weiterarbeiten ohne Intervention nicht mehr produktiv stattfinden kann. Dies wird zu Videovignetten verarbeitet und die Gruppenmitglieder diskutieren und reflektieren über die getätigten Interventionen. Dabei benötigen die Studierenden die Vernetzung der verschiedenen Wissensbereiche des Professionswissens, um adäquat zu handeln und als Grundlage für ihre Argumentation. Danach erfolgt eine qualitative Analyse der Videos.

Erwartete Ergebnisse

Wir erwarten, dass Studierende, welche ihre diagnostischen Fähigkeiten mit ViviAn trainiert haben, (1) die Probleme der Schülerinnen und Schüler besser erfassen können und (2) bessere mathemathische Lernumgebungen gestalten können.


Literatur

Brunner, M., Anders, Y., Hachfeld, A., Krauss, S. (2013). The Diagnostic Skills of Mathematic Teachers. In Cognitive Activation in the Mathematics Classroom and Professional Competence of Teachers. Results of the COACTIV Project (pp. 229-248). New York: Springer.

Randi, J., Corno, L. (2005). Teaching and learner variation. In Pedagogy – Learning for Teachers. BJEP Monograph Series II, 3 (pp. 47-69). The British Psychological Society.

Wiliam, D. & Thompson, M. (2007). Integrating assessment with instruction: What will it take to make it work? In C. A. Dwyer (Hrsg.), The Future of Assessment. Shaping Teaching and Learning (pp. 55–82). Mahwah, NJ: Routledge.